Tannengeflüster             

Wenn die ersten Fröste knistern
In dem Wald bei Bayrisch-Moos,
Geht ein Wispern und ein Flüstern
In den Tannenbäumen los,
Ein Gekicher und Gesumm
Ringsherum.

Eine Tanne lernt Gedichte,
Eine Lärche hört ihr zu.
Eine dicke, alte Fichte
Sagt verdrießlich:"Gebt doch Ruh!
Kerzenlicht und Weihnachtszeit
Sind noch weit!"

Vierundzwanzig lange Tage
Wird gekräuselt und gestutzt
Und das Wäldchen ohne Frage
Wunderhübsch herausgeputzt.
Wer noch fragt: "Wieso? Warum?!"
Der ist dumm.

Was das Flüstern hier bedeutet,
Weiß man selbst im Spatzennest:
Jeder Tannenbaum bereitet
Sich nun vor aufs Weihnachtsfest,
Denn ein Weihnachtsbaum zu sein:
Das ist fein!
                     (James Krüss)













     Schon in vorchristlicher Zeit wurden zur Beschwörung des wiederkehrenden Lebens grüne Zweige ins Haus geholt.
      Für 1597 ist ein "Weyhnachtsbaum geschmückt mit gefärbt Papier und Backwerk" in Turckheim im Elsass bezeugt, für 1605 ein mit Papierrosen, Äpfeln und Knistergold behangener Baum in Straßburg.
     Adlige Kreise stellten sich als Erste geschmückte Tannen in die Stuben, wie es etwa durch eine Jugenderinnerung Liselottes von der Pfalz um 1660 für den hannoverschen Hof belegt ist. Erst 1840 dagegen gelang es der Prinzessin von Mecklenburg als Frau des Prinzen von Orléans, einen Tannenbaum in den Tuilerien erstrahlen zu lassen. 1816 brachte eine deutschstämmige Erzherzogin den Christbaum nach Österreich. In Deutschland übernahmen reiche Bürger den Brauch.
     Während des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 ließen die meist adligen Heerführer in Lazaretten und Quartieren zu Weihnachten Tannenbäume aufstellen, in deren Kerzenschein die Soldaten von ihrem Zuhause träumten, von der Familie, vom Frieden. In ihre Heimat zurückgekehrt, sorgten sie für eine rasche Verbreitung des Baums als Zeichen für das gemütvolle deutsche Wesen, für eine heile Welt.
     In England kam die Tanne durch Albert, den deutschen Prinzgemahl Königin Viktorias, ab 1841 in Mode. Deutsche Auswanderer brachten den Baum nach Amerika und der Brauch verbreitete sich in der ganzen Welt.
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