Elke Heidenreich, Rundfunkmoderatorin, Autorin u.a. von Fernsehspielen, parodistische Kommentatorin, Talkshowmasterin, Zeitschriftenkolumnistin, Erzählerin....
wurde am   15. Februar   1943 geboren.

Sowohl für ihren Erzählband "Kolonien der Liebe" wie auch für ihre bezaubernden Kinder- und Jugendbücher "Nero Corleone. Eine Katzengeschichte" und "Am Südpol, denkt man, ist es heiß" erntete sie viel Anerkennung bei Kritik und Leserpublikum und erhielt mehrere deutsche und internationale Literaturpreise. Ihr neues Buch heißt "Der Welt den Rücken".

Elke Heidenreich (die sich übrigens auch aktiv für den Tierschutz einsetzt) schrieb jahrelang eine Kolumne in der Zeitschrift "Brigitte"....

Also ... ... ich habe immer noch Schwellenangst vor diesen ganz, ganz feinen Parfümerien. Aber alles gibt es nun mal im Kaufhaus, Drogeriewaren Erdgeschoss, nicht, und außerdem finde ich Schwellenangst idiotisch und will sie überwinden. Ich brauche eine getönte Feuchtigkeitscreme. Welche? Keine Ahnung, man wird mich ja beraten. In solchen Läden bedienen Göttinnen, Schönheitsköniginnen, Anwärterinnen auf Gatten aus der Millionärsklasse. Sie verkaufen nicht nur die teuersten Parfüms, sie duften auch danach, und sie tragen Seidenblusen und korallrote Stöckelschuhe mit 15 cm Absatz. Sie haben lackierte Lippen und lackierte Fingernägel in exakt derselben Farbe, einen Teint wie ein Pfirsich und einen Hauch Rouge auf den Wangenknochen. Sie haben seidige lange Wimpern und blaue Lidschatten, leise schöne Stimmen und einen ganz besonderen Blick, mit dem sie mich nun mustern, wenn ich - etwas zu laut grüßend - ihren Glas- und Spiegelpalast betrete.
Denn ich habe eine rote Nase (immer) und bin blass, deshalb will ich ja die getönte . . . Sie wissen schon. An mir ist nichts besonders erlesen, und die Damen sehen das mit einem Blick. Deshalb hat auch zunächst keine von ihnen Lust, sich hinten aus der Sitzecke zu lösen, aber dann quält sich doch eine herbei. Wenn mich jetzt mein Mut verlässt, kaufe ich Nivea und bin schnell wieder draußen, wenn ich aber meinen Kampftag habe, lasse ich mich auf die getönte Creme ein. Die Gazelle mustert mich müde und fragt sich, warum ich es nicht im Kaufhaus versuche. Dann legt sie mir schweigend eine Dose auf den Ladentisch. "Nur die?" frage ich. Sie legt drei weitere Produkte daneben. "Was ist der Unterschied?" frage ich. "Bei Ihrer Haut", sagt die Elfengleiche, "würde ich sowieso eher ein Transparent-Make-up empfehlen." Ich bin froh über eine Empfehlung, möchte aber doch den Grund wissen. "Wieso", sage ich, "was ist mit meiner Haut?" "Bitte", meint sie gekränkt, "es war nur ein Rat." ........................


und hatte als Metzgersgattin Elsa Stratmann einiges zu sagen zu den täglichen Dingen des Lebens....

Wissense, wo ich mich auch immer sowatt von beömmeln drübber könnt? Lateinamerikanische Dingens, dies tanzen da – du liebe Güte! Da krisse den Mund nich mehr zu, wie sich en Mensch noch alles verrenken kann un watt noch alle Tanzen sein soll. Ich, wenn ich tanz, nä, mit Willi meinzwegen, ja, da zieh ich mirn nett Kleid an, und dann lechter sein Aam um meine Tallje, wobei et immer noch ne fiese Bemerkung gibt a la „Du wars aber auch scho ma dünna, Else!“, oder irgenzsowatt, wo ich schon gar nich mehr drauf hör, un dann schieben wer los, schön ruhich un immer rechts rum un sowieso bloß eins zwei drei, eins zwei drei, Walzer, nä, datt kanner, un watt andres ham wer auch nich versucht, aber uns reichtet, watt solln wir Rockenroll tanzen mit über de Schulter schmeißen un alles, oder so modern gezz, wose nur noch vornander rumhüppen un sich nich ma mehr anfassen unnen bisken drücken un knubbeln, datt is für mich kein Tanzen mehr, aber nu gut. Un nu komm die Profitänzer daher, auch son Beruf, aber meist sintatt ja wohl Tanzlehrer, die sowieso nix andres tun wie durche Weltgeschichte tanzen un nu aunoch vor Publikum un mit Bewertungstäfelkes wie Eislaufen un im Fernsehen, un wie die aussehen!

Sintatt noch Kleider, wattie Frauen da anhaben? Immer alles geschlitzt bis zum gehtnichmehr, dann so Stoff datte denks, sintie eintlich nackend oder watt? Also bei manche Kleider frachich mich, wie datt überhaupt hält, un Willi sitzt auch immer davor un kuckt un waatet, dattet alle runterrutscht. Jeder Fummel mit Glitzer dran, ohne Glitzer geht nix mehr, nuja, wem ett gefällt, sarich immer. Er sieht meist aus wieen Pinguin, wie soll son Tänzer schon aussehen, aber sie – also wattie da hermachen, doll. Untie Schuhe! Wennse schon Turniere tanzen müssen, dann frachich mich immer, warum ziehnse dann nich bequeme Schlappen bei an? Sonz läuft datt ganze deutsche Volk doch von morgens bis ahms in Turnschuh rum, un ausgerechnet wennse stundenlang tanzen müssen, kommse mit wer weiß watt für hohe Hacken, un wennse alt sind, hammset anne Füße untie AOK muß Einlagen bezahlen, so isset doch. furchba, furchba. Watt soll datt? Un dann legense los, Rumba, Tschatscha, Tango, Mambo un watt man da nich so alle vortanzen muß un immer lächeln, immer inne Hüfte schön tief abgeknickt un eine einzige Afferei........
                                 
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