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Der 16. März 1968 ging mit dem Massaker von My Lai als einer der dunkelsten Tage in die Geschichte der US Army ein. Am Morgen jenes Tages erreichte ein Platoon unter dem Kommando von Lieutenant Calley das Dorf My Lai, es wurde umzingelt und nach nordvietnamesischen Soldaten durchkämmt. Schon bald allerdings mussten sie enttäuscht feststellen, dass sich im Dorf nur unbewaffnete Zivilisten, vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen, aufhielten. Und plötzlich ging alles ganz schnell, einem alten Mann wurde beim Verhör in den Kopf geschossen, dann wurden Kinder mit dem Bajonett ermordet, Frauen reihenweise exekutiert. Die US-Soldaten verfielen in einen unbeschreiblichen Blutrausch; Calley befahl seinen Leuten, die Dorfbewohner in einer Hütte zusammenzupferchen, um sie darin zu verbrennen. Am Ende waren 503 Menschen ermordet worden. 182 Frauen, 172 Kinder, 60 Männer über sechzig Jahre, 89 jüngere Männer. |
| 18 Monate lang gelang es den Militärs, die Wahrheit über die Ereignisse zu verbergen, nur auf enormen öffentlichen Druck erfolgte eine Untersuchung des Massakers. Calley wurde als Hauptschuldiger von einem Militärgericht zu lebenslanger Haft verurteilt, jedoch nach nur drei Jahren von Präsident Nixon begnadigt. Die Öffentlichkeit hatte für ihn Partei ergriffen und sah ihn als Sündenbock für die Fehler der Militärs und der Regierung. Keiner der ranghohen Militärs - z.B. General Westmoreland, damals Oberbefehlshaber der US-Truppen in Vietnam - wurde zur Verantwortung gezogen. Ein amerikanischer Reporter drückte das Problem so aus: "Unsere kollektive Schuld liegt darin, daß wir angesichts des Massakers von My Lai Gerechtigkeit suchen müssen, unsere Vertreter aber ständig den Rest der Welt moralisieren wollen und unter Führung der Vereinigten Staaten zum Kampf gegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit auffordern. Unterdessen leben die amerikanischen Kriegsverbrecher in komfortabler Anonymität unter uns." My Lai war nicht nur der Ort einer schrecklichen Tragödie, vielmehr wurde es zum Symbol für die Schrecken des Vietnamkrieges, dem etwa 58.000 Amerikaner und zwei Millionen Vietnamesen zum Opfer fielen. Angesichts der Opfer kann man nur hoffen, dass der Wunsch eines am Vietnamkrieg beteiligten Soldaten in Erfüllung geht: "Ich bete dafür, daß wir eines Tages fähig sind, unsere Kriegsmentalität abzulegen, denn Krieg ist Wahnsinn!" |
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